Videomaterial an den Cutter übergeben: die Übergabe ohne Rückfragen
Gib dem Cutter einen einzigen Google-Drive-Ordner mit klarer Struktur (A-Roll, B-Roll, Ton, Grafik), einheitlichen Dateinamen und einer Shot-Liste, und teile ihn mit Leserecht oder als Bearbeiter. Lege nur das hinein, was jetzt geschnitten wird, und schicke Originale, keine per Messenger komprimierten Dateien.
Videomaterial an den Cutter übergeben heißt im besten Fall: ein Link, ein Ordner, keine Rückfragen. Dafür braucht der Ordner eine klare Struktur, die Dateien einheitliche Namen, dazu eine Shot-Liste und die richtigen Zugriffsrechte. Die meisten Verzögerungen im Schnitt entstehen nicht beim Schneiden, sondern davor: Der Cutter sucht Clips, fragt nach dem Ton, wartet auf einen Zugriff oder bekommt komprimierte Dateien.
Die folgende Anleitung geht von Google Drive aus, weil dort die meisten Creator und Agenturen ihr Rohmaterial ablegen. Die Prinzipien gelten aber für jeden Cloudspeicher.
Vor der Übergabe: Material sichten
Bevor du irgendetwas teilst, geh das Material einmal durch:
- Ausschuss raus. Fehlstarts, versehentliche Aufnahmen aus der Hosentasche, Testclips. Was du nicht verwenden willst, gehört nicht in die Übergabe.
- Dubletten raus. Wer vom Handy mehrfach hochlädt, hat oft dieselbe Datei zweimal. Wie du sie findest, steht unter doppelte Fotos in Google Drive finden.
- Nur das Aktuelle. Der Cutter bekommt die Clips, die jetzt geschnitten werden, nicht das ganze Archiv. Ein Ordner mit 40 passenden Clips ist schneller geschnitten als einer mit 400, aus denen er selbst auswählen muss.
Das klingt nach Mehraufwand, spart aber Zeit. Du kennst das Material und den Dreh, der Cutter nicht.
Videomaterial an den Cutter übergeben: die Ordnerstruktur
Eine Struktur, die sich für Reels, YouTube-Videos und Kundenprojekte bewährt:
2026-11-04_Kunde_Projekt/
01_A-Roll/
02_B-Roll/
03_Ton/
04_Grafik_Logos/
05_Musik/
00_Briefing_und_Shot-Liste
Die Nummern vorne halten die Reihenfolge fest, egal wie das Programm sortiert. Die A-Roll ist das Hauptmaterial, also meist der Talking Head oder das Interview. Die B-Roll sind die Zwischenschnitte, die das Gesagte bebildern. Getrennter Ton, etwa von einem Ansteckmikrofon, liegt eigens, damit der Cutter ihn nicht in den Videoordnern suchen muss.
Bei großen B-Roll-Mengen lohnt eine zweite Ebene nach Motiv: Produkt, Büro, Team, Außen. Wie du ein dauerhaftes Archiv daraus machst, steht im Ratgeber B-Roll organisieren. Die Grundstruktur für dein ganzes Drive beschreibt der Ratgeber Google Drive Ordnerstruktur.
Mehrere Folgen auf einmal
Gibst du mehrere Videos auf einmal ab, bekommt jede Folge einen eigenen Ordner mit dieser Struktur. Gemeinsames Material wie Logos, Intro oder Musik liegt einmal in einem Ordner „Gemeinsam“ auf derselben Ebene. So schneidet der Cutter Folge 1, ohne über Material von Folge 4 zu stolpern.
Dateinamen, die der Cutter versteht
Kameras und Handys vergeben Namen wie IMG_4821.MOV oder C0034.MP4. Die sagen nichts über den Inhalt. Ein festes Schema hilft:
Datum_Projekt_Art_Nummer.endung
Zum Beispiel:
2026-11-04_kunde_talkinghead_001.mov2026-11-04_kunde_broll-buero_014.mov2026-11-04_kunde_ton-lav_001.wav
Das Datum im Format Jahr, Monat, Tag sorgt dafür, dass alles chronologisch sortiert erscheint. Mehr zur Sortierung nach Datum steht unter Fotos in Google Drive nach Datum sortieren.
Eine wichtige Regel: Benenne um, bevor der Cutter importiert. Wenn er die Dateien schon im Schnittprogramm hat und du sie danach umbenennst, findet das Programm sie nicht mehr und meldet fehlende Medien.
Willst du die Kameranamen behalten, weil sie zum Ton oder zu Notizen passen, ist das auch in Ordnung. Dann muss aber die Shot-Liste die Zuordnung leisten.
Die Shot-Liste: was der Cutter wissen muss
Eine Shot-Liste ist eine Tabelle mit einer Zeile je Clip. Sie ersetzt das Briefing nicht, aber sie beantwortet die Fragen, die sonst per Nachricht kommen.
| Spalte | Beispiel |
|---|---|
| Datei | 2026-11-04_kunde_broll-buero_014.mov |
| Inhalt | Kundin am Schreibtisch, Blick in den Laptop |
| Art | B-Roll |
| Bewertung | gut, für den Einstieg |
| Notiz | Ton unbrauchbar, Wind |
| Zeitcode | bester Teil ab 00:12 |
Dazu oben im Dokument zwei, drei Sätze Briefing: Was soll das Video leisten, wie lang wird es, welches Format (Hochformat oder Querformat), und gibt es ein Vorbild. Mehr braucht ein guter Cutter meist nicht, vor allem keine Erklärung des Stils, den er schon kennt.
Eine Shot-Liste von Hand zu schreiben dauert bei 40 Clips eine Weile. Weiter unten steht, wie Sortiert sie automatisch erstellt.
Zugriffsrechte richtig setzen
Google Drive kennt drei Rollen:
- Betrachter: darf ansehen und, wenn nicht abgeschaltet, herunterladen.
- Kommentator: darf zusätzlich kommentieren.
- Bearbeiter: darf Dateien hinzufügen, ändern und organisieren.
Für die reine Übergabe reicht „Betrachter“. Soll der Cutter seine Schnitte im selben Ordner abgeben, gib ihm Bearbeiterrechte oder leg einen eigenen Abgabeordner an, in dem er Bearbeiter ist. So kann er im Rohmaterial nichts versehentlich löschen.
Drei Stolperfallen:
- Herunterladen verhindert. In den Freigabeeinstellungen gibt es die Option, Betrachtern das Herunterladen, Kopieren und Drucken zu verbieten. Ist sie aktiv, kann der Cutter das Material zwar ansehen, aber nicht in sein Schnittprogramm holen.
- Verknüpfungen statt Dateien. Besteht dein Übergabeordner aus Verknüpfungen auf Originale, die woanders liegen, sieht der Cutter die Verknüpfungen, kann sie aber nur öffnen, wenn er auch Zugriff auf die Originale hat. Mehr dazu im Ratgeber Google Drive Verknüpfung erstellen.
- Einzelne Dateien enger freigeben. Teilst du einen Ordner, gelten die Rechte für alles darin. Eine einzelne Datei kannst du nicht enger freigeben als ihren Ordner. Was der Cutter nicht sehen soll, gehört in einen anderen Ordner.
Mit einem Arbeits- oder Schulkonto von Google kannst du außerdem ein Ablaufdatum für den Zugriff setzen. Bei Ordnern geht das nur für die Rolle „Betrachter“.
Den Link verschicken
Teile den obersten Projektordner, nicht einzelne Dateien. Unter „Allgemeiner Zugriff“ hast du zwei sinnvolle Wege:
- „Eingeschränkt“ und den Cutter mit seiner Google-Adresse hinzufügen. Das ist der sicherere Weg, weil nur er Zugriff hat.
- „Jeder, der über den Link verfügt“, wenn der Cutter kein Google-Konto nutzen will. Dann kann aber jeder mit dem Link das Material sehen. Für Kundenmaterial ist das selten eine gute Wahl.
Große Mengen herunterladen
Lädt der Cutter einen großen Ordner im Browser herunter, packt Google Drive ihn in ZIP-Dateien, bei großen Ordnern in mehrere. Das funktioniert, ist bei vielen Gigabyte aber fehleranfällig. Bequemer ist die App Google Drive für den Desktop: Der freigegebene Ordner erscheint dann wie ein Laufwerk im Explorer oder Finder. Beim Streamen lädt der Rechner Dateien erst beim Öffnen, Ordner für den Schnitt markiert der Cutter als offline verfügbar.
Was nicht über den Messenger geht
Handyvideos per WhatsApp oder ähnlichen Messengern zu schicken ist bequem, aber für den Schnitt ungeeignet. WhatsApp komprimiert beim normalen Versand und entfernt dabei in der Regel die Metadaten. Der Cutter bekommt dann schlechtere Qualität ohne verlässliches Aufnahmedatum. Kunden sollten ihre Clips direkt in einen geteilten Drive-Ordner hochladen.
Nach der Übergabe: Abgabe und Feedback
Die Übergabe endet nicht mit dem Link. Genauso wichtig ist, wie der fertige Schnitt zurückkommt und wie Korrekturen laufen.
Ein fester Abgabeordner. Leg im Projektordner einen Ordner „06_Schnitt“ an, in dem der Cutter Bearbeiter ist. Dort landen alle Fassungen. So musst du nicht in Mails und Chats nach der neuesten Datei suchen, und das Rohmaterial bleibt unangetastet.
Klare Namen für Fassungen. Ein Schema wie kunde_reel-01_schnitt1.mp4, kunde_reel-01_schnitt2.mp4 zeigt sofort, welche Datei die aktuelle ist. Alte Fassungen bleiben liegen, bis das Video veröffentlicht ist.
Feedback an einer Stelle. Sammle Korrekturen in einem Dokument im Projektordner, mit Zeitangabe und Wunsch je Zeile: „0:14 Schnitt früher, Kundin blinzelt“. Eine Liste ist schneller abgearbeitet als zehn Sprachnachrichten.
Nachlieferungen kennzeichnen. Kommt nach der Übergabe noch Material dazu, etwa ein fehlender Clip vom Kunden, leg ihn in einen eigenen Ordner „Nachlieferung“ mit Datum und sag dem Cutter kurz Bescheid. Wer neue Dateien still in bestehende Ordner kippt, riskiert, dass sie übersehen werden.
Nach dem Projekt aufräumen. Ist das Video fertig, verschiebst du den Projektordner ins Archiv. Gute Clips, die nicht verwendet wurden, sind die B-Roll für das nächste Projekt. Mit Verknüpfungen machst du sie in deiner Bibliothek auffindbar, ohne sie doppelt abzulegen.
Gerade bei Agenturen mit mehreren Cuttern lohnt es sich, diese Regeln einmal aufzuschreiben und in jedem Projektordner gleich zu halten. Dann weiß auch ein neuer Cutter ab dem ersten Tag, wo er sucht und wohin er abgibt.
Checkliste: Videomaterial an den Cutter übergeben
- Ausschuss und Dubletten entfernt
- Nur Material für das aktuelle Video im Ordner
- Unterordner für A-Roll, B-Roll, Ton, Grafik, Musik
- Dateinamen nach festem Schema, vor dem Import umbenannt
- Shot-Liste mit Inhalt, Art, Bewertung und Notiz
- Kurzes Briefing mit Ziel, Länge und Format
- Rolle gesetzt, Herunterladen für Betrachter erlaubt
- Zugriff auf Originale geprüft, falls Verknüpfungen im Ordner liegen
- Ein Link zum obersten Ordner verschickt
Wenn du für mehrere Kunden arbeitest, lohnt es sich, diese Struktur als leere Vorlage anzulegen und für jedes Projekt zu kopieren. Wie Agenturen das im Team organisieren, steht unter Sortiert für Agenturen, die Sicht der Gegenseite unter Sortiert für Cutter.
Wie Sortiert die Übergabe an den Cutter vereinfacht
Sortiert verbindet sich mit deinem Google Drive und lässt Gemini von Google jedes Foto und Video ansehen. Gemini schreibt eine kurze Beschreibung und Stichworte und schlägt eine Kategorie vor, bei Videos über das Vorschaubild, das Google Drive erstellt. Beim Sortieren entstehen in deinem Drive Ordner je Kategorie, gefüllt mit Verknüpfungen auf die Originale. Nichts wird verschoben oder kopiert.
Für die Übergabe sind vor allem die Funktionen von Sortiert Pro gedacht:
- Shot-Liste als CSV: eine Tabelle deines Materials, die du dem Cutter mitgibst oder vorher ergänzt.
- Ordner samt Originalen teilen: Mit einem Klick bekommt der Cutter Leserecht auf den Ordner und die Originale dahinter. Damit ist die Stolperfalle mit den Verknüpfungen gelöst.
- Drehtage: Material wird nach Aufnahmetag gruppiert, praktisch, wenn mehrere Drehs im selben Ordner liegen.
- Top-Material: Gemini bewertet die Eignung für Social Media von 1 bis 5. Das hilft bei der Vorauswahl, ersetzt aber nicht deinen Blick.
- Doppelte Dateien finden über die Prüfsumme, bevor du teilst.
Die Grenzen: Sortiert arbeitet nur mit Google Drive. Sehr frisch hochgeladene Videos haben noch kein Vorschaubild, Gemini kann sie erst erkennen, wenn Google Drive es erstellt hat. Je Ansicht zeigt Sortiert bis zu 5.000 Dateien. Sortiert ausprobieren
Fazit
Videomaterial an den Cutter übergeben gelingt mit einem Ordner, einer festen Struktur, einheitlichen Dateinamen und einer Shot-Liste. Prüfe die Zugriffsrechte, vor allem das Herunterladen und den Zugriff auf Originale hinter Verknüpfungen, und schicke einen einzigen Link. Je weniger der Cutter suchen und fragen muss, desto schneller ist der Schnitt fertig. Wie du dein Drive insgesamt in Ordnung bringst, steht im Ratgeber Google Drive sortieren.
Häufige Fragen
Wie kann ich Videomaterial an den Cutter übergeben?
Am besten als ein Google-Drive-Ordner, den du mit dem Cutter teilst. Darin liegen die Originaldateien in Unterordnern nach Art des Materials, eine Shot-Liste und ein kurzes Briefing. Der Cutter bekommt einen einzigen Link und weiß sofort, was wofür gedacht ist.
Welche Berechtigung braucht der Cutter in Google Drive?
Zum Herunterladen reicht „Betrachter“, solange in den Freigabeeinstellungen das Herunterladen für Betrachter nicht abgeschaltet ist. Soll der Cutter fertige Schnitte in denselben Ordner hochladen, braucht er Bearbeiterrechte. Berechtigungen eines Ordners gelten für alle Dateien und Unterordner darin.
Kann ich Material per WhatsApp an den Cutter schicken?
Für die Übergabe ist das keine gute Idee. WhatsApp komprimiert Fotos und Videos beim normalen Versand und entfernt dabei in der Regel die Metadaten wie Aufnahmezeit und Ort. Für den Schnitt braucht der Cutter die Originale, also über Google Drive oder einen anderen Cloudspeicher.
Wie benenne ich Videodateien für den Cutter?
Nach einem festen Schema, etwa Datum, Projekt, Art und laufende Nummer: 2026-11-04_kunde_talkinghead_001.mov. Das Datum vorne im Format Jahr, Monat, Tag sorgt dafür, dass die Dateien richtig sortiert erscheinen. Benenne Dateien vor der Übergabe um, nicht danach, sonst findet das Schnittprogramm sie nicht mehr.
Was gehört in eine Shot-Liste für den Cutter?
Je Clip der Dateiname, was zu sehen ist, ob es A-Roll oder B-Roll ist, eine Bewertung und eine Notiz, etwa zu guten Takes oder Tonproblemen. Bei langen Aufnahmen hilft ein Zeitcode zur besten Stelle. Die Shot-Liste kann eine einfache Tabelle sein.
Warum kann der Cutter die Dateien in meinem Ordner nicht öffnen?
Häufig liegen im Ordner Verknüpfungen statt echter Dateien. Der Cutter sieht dann die Verknüpfungen, kann sie aber nur öffnen, wenn er auch Zugriff auf die Originale hat. Gib also auch die Ordner mit den Originalen frei, mindestens mit Leserecht.